am 20. Februar 2012 begibt sich eine Frau - nennen wir sie der Einfachheit halber einmal Frau Tür (der Name erklärt sich später quasi von selbst) auf ihren leicht verspäteten Weg zur Arbeit. Dummerweise hat Frau Tür an diesem Morgen nicht auf einen guten Freund gehört, der sie noch davor warnte, dass es eventuell glatt sein könnte. Noch dümmer, dass sie es recht eilig hatte. Und so wurde Frau Tür an diesem sonnigen Morgen von einer vereisten Kurve im wahrsten Sinne des Wortes aus der Bahn geworfen.
Nachdem der italienische Kleinwagen von Frau Tür sich überschlagen hatte, kam er im Straßengraben, auf dem Kopf liegend, zum Stillstand. Frau Tür war nicht einmal sehr erschrocken - vielmehr fragte sie sich was um alles in der Welt denn da gerade mit ihr geschehen war und warum ihre Welt so plötzlich auf dem Kopf stand. Während sie also einigermaßen ratlos und verwundert in ihrem Sicherheitsgurt hing, traf sie unvorbereitet eine Saftflasche seitlich am Kopf. Das brachte sie immerhin so weit wieder zu sich, dass sie den noch laufenden Motor abstellte und versuchte die Fahrertür zu öffnen. Wie sich herausstelle, ein sinnloses Unterfangen, denn der Wagen lag leicht schräg auf eben jener Tür.
Glücklicherweise blieb der Vorfall nicht unbeobachtet und kurz darauf hielt ein Kleintransporter am Straßenrand. Zwei sehr nette Herren befreiten Frau Tür aus ihrer misslichen Lage und riefen Polizei und Krankenwagen. Frau Tür`s Proteste den Krankenwagen betreffend, ignorierten sie und so kam es, dass sie sich plötzlich auf einer Trage wiederfand, eine äußerst unbequeme Krause um den Hals und eine Nadel im Arm. Und ehe sie es sich versah, befand sich Frau Tür auf dem Weg in das Krankenhaus einer benachbarten Stadt.
Wie sich dort sehr schnell herausstellte, war Frau Tür gänzlich unverletzt, was alle, die den Unfallhergang kannten, sehr in Erstaunen versetzte. Dennoch sagte man ihr, dass sie zur ihrer eigenen Sicherheit über Nacht unter Beobachtung in der Klinik bleiben müsse. Da kein Zimmer frei war, rollten 2 nette Schwestern sie samt ihrem Bett in den Aufenthaltsraum. Dort fühlte Frau Tür sich äußerst wohl. Das Essen war gut, eine liebe Freundin versorgte sie mit den nötigsten Dingen und durch das Fenster hatte sie einen wundervollen Blick auf ein paar alte Bäume im Park.
Und als Frau Tür so da lag, sich entspannt in ihrem Bett zurücklehnte und sich fragte, wann sie denn zum letzten Mal am hellichten Tag im Bett gelegen und aus dem Fenster gesehen hatte, erschien das Schicksal in Form von Karl-Heinz.
Schwungvoll betrat er den zum Patientenzimmer avancierten Aufenthaltsraum mit den Worten: "guten Tag, ich bin Karl-Heinz, Ihr Pfleger und ich besorge Ihnen jetzt erst mal ein Bett in einem richtigen Zimmer". Frau Türs zaghafte Proteste verhallten angesichts solcher zügellosen Tatkraft ungehört. Um 15.34 Uhr wurde sie mitsamt ihrem Bett und den wenigen Habseligkeiten in ein Zimmer gerollt. Sie erhielt den Platz in der Nähe der Tür. In besagtem Zimmer befanden sich bereits zwei weitere Akteure, nämlich Frau Mitte und Frau Fenster, beides Damen jenseits der 80 und offenbar bereits seit längerem hier untergebracht.
15.36 Uhr. Frau Mitte bemerkt, dass Frau Tür nicht fußkrank ist und beauftragt Sie, doch bitte das Fenster zu öffnen, da die Luft im Zimmer so stickig ist. Übrigens wurde Frau Mitte an der Hand operiert, nicht etwa an der Hüfte oder am Kniegelenk.
15.40 Uhr. Frau Fenster möchte, dass das Fenster umgehend wieder geschlossen wird, da es zu kalt ist im Zimmer. Diesmal ohne Bitte. Frau Fenster wurde am Knie operiert und kann definitiv nicht aufstehen, daher kommt Frau Tür diesem Ersuchen nach.
15.42 Uhr. Frau Mitte erwähnt, sie müsse jetzt aber ganz dringend einmal Pipi (wortwörtlich...!). Suchender Blick in Richtung Frau Tür. Dieser schwant, dass sie gerade zur Hilfsplegekraft aufgestiegen ist und stellt sich schlafend.
15.43 Uhr. Frau Mitte wird deutlicher. "Hallo Frollein - schlafen Sie? Ich bräuchte mal die Bettpfanne". Leichtes Zucken am linken Augenlid von Frau Tür. Ungehalten Frau Fenster "dann klingeln sie doch nach der Schwester und machen Sie nicht immer so ein Theater!"
15.44 Uhr. Frau Mitte klingelt nach der Schwester.
15.44 Uhr und 30 Sekunden. Frau Mitte klingelt erneut.
15.45 Uhr. Frau Mitte laut hörbar: "Ich glaub, ich kann es nicht mehr halten....."
15.46 Uhr. Stille. Nur das Umblättern der Zeitschrift von Frau Fenster ist noch zu hören.
15.48 Uhr. Pleger Karl-Heinz betritt das Zimmer und fragt, wer geklingelt hat. Frau Mitte: "Ich.
Ich musste Pipi - aber jetzt nicht mehr....." Pfleger Karl-Heinz sachlich: "Sie klingeln
aber auch immer so spät" . Geht, um frische Bettwäsche und Waschlappen zu holen.
Frau Mitte "geht der jetzt wieder?" Frau Fenster "Ei - der kommt gleich wieder!" Frau
Tür hält nach wie vor krampfhaft die Augen geschlossen. Frau Mitte: "wieso geht der denn
jetzt wieder? Und warum ist der eigentlich immer so unfreundlich? Überhaupt sind die alle
hier so unfreundlich.....". Frau Fenster schweigt. Frau Tür`s Augenlid zuckt.
16.00 Uhr. Frau Mitte ist gewaschen, mit frischer Wäsche versorgt und das Bett ist neu bezogen.
16.10 Uhr. Frau Fenster stöhnt und klingelt nach der Bettpfanne. Frau Tür`s Augenlid entwickelt ein
heftiges Eigenleben.
16.15 Uhr. Frau Fenster benutzt die Bettpfanne. Frau Tür denkt darüber nach, sich auf eigenes Risiko
entlassen zu lassen.
16.25 Uhr. Die Bettpfanne wird entfernt. Frau Tür bemerkt, dass sie doch etwas angeschlagen ist.
Sie versucht zu schlafen. Frau Mitte schnarcht. Sehr laut.........
17.00 Uhr. Pfleger Karl-Heinz bringt das Abendessen. Brot, Wurst, Käse, Gürkchen, Ei, Butter und
Tee. Frau Mitte jammert, dass sie alleine nicht essen kann weil sie ihre Hand nicht benutzen
kann. Pfleger Karl-Heinz erklärt ihr, dass er erst das Essen verteilen muss und dann kommt
um ihr zu helfen. Er hat ja nur 30 Patienten zu versorgen. Dennoch hat er Zeit, kurz bei
Frau Tür stehen zu bleiben und zu fragen, ob es ihr gut geht. Frau Tür findet Pfleger
Karl-Heinz überhaupt nicht unfreundlich, im Gegenteil.
17.01 Uhr. Frau Mitte: "Wieso geht der denn jetzt? Der weiß doch, dass ich alleine nicht essen kann!"
Frau Fenster: "Der kommt doch gleich wieder!" Frau Mitte: "was???" Frau Fenster:
"DER KOMMT DOCH GLEICH WIEDER!!!!" Frau Mitte zu Frau Tür: "Können Sie
mir nicht mal mein Brot schmieren?" Weinerlich jetzt: "ich kann das doch alleine nicht
und hier hilft einem ja keiner!" Frau Tür seufzt und legt das Brot, in das sie gerade
beißen wollte, weg. Aber zum Glück kommt da gerade Pfleger Karl-Heinz und macht
Frau Mitte ihr Abenbrot zurecht. Die beschwert sich, dass der Tee zu sauer ist. Pfleger
Karl-Heinz holt mehr Zucker. Frau Mitte beschwert sich, dass die Essiggurken zu sauer
sind. Pfleger Karl-Heinz sagt, dass das am Essig liegt und er es nicht ändern kann. Und dass
Frau Mitte sie eben liegen lassen soll. Frau Mitte isst sie trotzdem. Pfleger Karl-Heinz geht.
17.08 Uhr. Frau Tür ist bei der 2. Scheibe Brot.
17.08 Uhr. Frau Mitte sagt, dass ihr schlecht ist und sie die Bettpfanne braucht. Frau Fenster sagt,
sie soll verdammt noch mal klingeln und nicht ständig andere Leute belästigen. Frau Mitte
klingelt.
17.10 Uhr. Frau Tür flüchtet mit ihrem Abendessen in den Auftenhaltsraum. Dort bleibt sie bis 20.00
Uhr und hat ein kurzes, aber nettes Gespräch mit Pfleger Karl-Heinz, der ihr sagt,
wie sehr er seinen Beruf liebt und dass die beiden gar nicht so schlimm sind.
20.05 Uhr. Frau Tür liegt nachtfertig im Bett. Sie hat sich einen Roman aus der Patientenbibliothek
geholt und stellt sich taub und stumm. Frau Mitte schnarcht.
20.15 Uhr. Frau Fenster klingelt nach der Bettpfanne.
20.30 Uhr. Frau Fenster hat die Bettpfanne verfehlt. Pfleger Karl-Heinz holt frische Bettwäsche
Waschlappen. Frau Tür überlegt, sich selbst zu entlassen.
21.00 Uhr. Frau Mitte: "Mir ist ja so schlecht!" Frau Tür stellt sich immer noch taub. Frau Mitte -
diesmal lauter: "Ich hab ganz schlimm Bauchbweh. Des kommt von dem schlechten
Essen. De Gurken waren viel zu sauer!" Frau Tür - unvorsichtig: "warum haben Sie die
auch gegessen, wenn Sie sie nicht vertragen.....?" Frau Mitte: "Ei da wusste ich doch
net, dass ich die net vertrag... - könne sie ned emol dem Pfleger klingeln?" Frau Tür:
"das können Sie doch selbst". Frau Mitte: "Zu Ihnen ist der immer so freundlich....".
21.05 Uhr. Frau Tür klingelt. Diesmal kommt die Schwester. Frau Mitte beklagt sich über ihre
Magenschmerzen. Die Schwester bringt ein Medikament und erklärt ihr, dass es
ein paar Minuten dauert, bis es wirkt und dass sie jetzt gleich kommt um sie für die Nacht
fertig zu machen.
21.15 Uhr. Frau Mitte klingelt nach der Schwester und fragt, ob sie nicht ein Medikament gegen
ihre Magenschmerzen haben kann. Die Schwester sagt ihr, dass sie gerade ein Mittel
bekommen. Frau Mitte hat das schon wieder vergessen.
21.30 Uhr. Frau Mitte fängt an sich auszuziehen. Sie fragt Frau Tür ob sie ihr nicht dabei helfen
kann. Ein vorsichtiger Hinweis darauf, dass die Schwester doch sowieso gleich kommt,
verhallt ungehört. Frau Mitte möchte ihr blaues Nachthemd. Frau Tür sieht in den
mittleren Schrank, darin befinden sich nur 2 rosa Nachthemden. Frau Mitte behauptet,
es wären nicht ihre Sachen in dem Schrank. Und sie wäre auch nicht in ihrem Zimmer.
Und jemand hätte ihr blaues Nachthemd genommen. Und dabei hätte sie das doch
nur einmal getragen. Da sie den Tränen nahe ist, beginnt Frau Tür nach dem blauen
Nachthemd zu suchen. Es findet sich im Nachtschrank. Frau Mitte hat derweil begonnen,
den mit Klettverschlüssen festgestellten, frisch operierten, Arm aus seiner Bandage zu
befreien. Frau Fenster sagt ihr, sie solle das lassen. Frau Mitte macht hartnäckig und
unter lautem Stöhnen weiter. Frau Tür erwägt, ihr Bett wieder in den Aufenthaltraum
zu rollen.
21.45 Uhr. Pfleger Karl-Heinz und die Schwester machen die beiden Damen für die Nacht fertig.
Heißt: Bettpfanne, waschen, Rücken einreiben, zudecken.
22.00 Uhr. Zapfenstreich. Das Licht wird gelöscht. Frau Tür ist müde und freut sich auf eine
hoffentlich ruhige Nacht.
22.05 Uhr. Frau Fenster macht das Licht wieder an. Sie kann im Dunkeln nicht schlafen. Frau Tür
protestiert, muss sich aber sagen lassen, dass Frau Fenster schon eine Woche hier ist
und immer mit Licht schläft. Frau Tür legt sich das Kissen über den Kopf.
22.20 Uhr. Frau Mitte fällt auf, dass sie immer noch das Krankenhausnachthemd trägt und fragt,
wann die Schwester kommt und sie für die Nacht fertig macht. Frau Fenster sagt, sie
soll nicht immer so ein Theater machen. Frau Tür stellt sich tot und hofft, dass dieser
Albtraum bald vorüber ist. Frau Mitte wurschtelt sich aus ihrem Krankenhausnachthemd
und zerrt so lange an ihrer Klettbandage, bis diese nachgibt. Die Infusionsnadel
zieht sie sich gleich mit. Frau Fenster drückt die Klingel, weil plötzlich alles voll
Blut ist.
22.30 Uhr. Die Schwester ist noch nicht da. Vom Flur hört man das Klingeln aus mehreren
Zimmern. Frau Mitte jammert weil sie friert. Frau Fenster fährt sie harsch an, dass
sie nicht jede Abend denselben Zirkus machen soll. "Den ganzen Tag schlafen Sie
und jeden Abend wäbern sie da rum. Das ist ja nicht zum Aushalten mit Ihnen!"
Frau Mitte - extrem weinerlich - "ich kann doch nix dafür, dass einem keiner
hier hilft...." Und überhaupt, das wär nicht ihr Zimmer. Und Ihre Sachen. Und Sie
müsste jetzt mal aufs Klo.
22.35 Uhr. Auftritt der Nachtschwester. Sie weißt freundlich aber bestimmt darauf hin, dass sie nachts
alleine ist und sich erst um die Notfälle kümmern müsse. Frau Mitte meint, sie wäre auch
ein Notfall, die Schwester hätte vergessen sie zur Nacht fertig zu machen. Und sie müsse
mal Pipi...... Die Schwester verfrachtet Frau Mitte in einen Toilettenstuhl und macht das
Bett frisch. Frau Tür überlegt, dass dieses Bett das meist frischbezogene Bett
Deutschlands sein muss.
22.45 Uhr. Frau Mitte bekommt ihren Klettverband wieder angelegt, was sich als größere Aktion
erweist, da sie ihn nicht anziehen möchte und sich sträubt. Dann bekommt sie einen
neuen Zugang gelegt. Draußen inzwischen heftiges Geklingel.
23.00 Uhr. Die Schwester geht und macht das Licht aus.
23.05 Uhr. Frau Fenster macht das Licht wieder an und klingelt nach der Bettpfanne.
Frau Tür erwägt aus dem Fenster zu springen. Dummerweise ist das Zimmer nur im 1.
Stock.
23.15 Uhr. Alles erledigt. Die Schwester löscht das Licht. Frau Tür beschwert sich, weil Frau
Fenster es immer wieder an macht. Die Schwester fordert Frau Fenster daraufhin
energisch auf, das Licht aus zu lassen. Freu Fenster schweigt beleidigt. Frau Tür ist
glücklich und schläft ein.
24.00 Uhr. Die Nachschwester kommt zum Blutdruck messen. Alle werden wach.
00.45 Uhr. Das vertraute ratsch, ratsch von Klettverschlüssen erklingt. Frau Mitte pellt sich wieder
einmal die Bandage ab. Frau Fenster schnarcht.
00.50 Uhr. Frau Mitte fragt laut, wessen Zimmer das ist und ob jemand ihr neues blaues Nachthemd
gesehen hat. Anschließend tapst sie oh Wunder - zum Nachtstuhl. Frau Tür duselt wieder
ein.
01.05 Uhr. Frau Tür erwacht, weil Frau Mitte und Frau Fenster sich streiten. Frau Mitte: "mir ist
kalt und ich will ins Bett". Frau Fenster: "dann gehn Sie doch und seien Sie endlich still!"
Mitte: "ei - ich kann doch nett laufe.....". Fenster: "sie sind ja auch allein in den Stuhl
gekommen, klingeln Sie halt der Schwester!"
Mitte: "ich klingel ja schon die ganze Zeit und es kommt keiner"
Fenster: "klingeln sie halt noch mal!" Mitte: "auf welchen Knopf muss ich drücken?"
Fenster "auf den, der rot leuchtet. Mein Gott, jetzt stellen Sie sich doch nicht so an!"
Mitte: "hier leuchtet nix rot........" Frau Fenster macht das Licht an. "Das ist ja auch nicht
die Klingel - das ist das Telefon!!!!". Frau Tür hält es nicht mehr aus und klingelt nach der
Schwester.
01.10 Uhr.Die Schwester verfrachtet Frau Mitte ins Bett und legt ihr die Bandage wieder an.
Frau Mitte will ihr blaues Nachthemd..........
01.15 Uhr Die Schwester löscht das Licht. Frau Tür schläft ein......
03.00 Uhr. Frau Mitte (laut): "Das ist nicht meine Brille!" Frau Tür ahnt Schlimmes und macht das
Licht an. Sieht wie Frau Mitte - wieder auf dem Nachtstuhl sitzend - Frau Türs Brille
aufsetzt. Frau Fenster beschwert sich, dass das Licht an ist...... Frau Tür holt sich ihre
Brille zurück. Frau Mitte will wieder in ihr Bett und hantiert mit dem Telefon.
03.30 Uhr. Alle liegen glücklich in ihren Betten und endlich kehrt Ruhe ein.
05:00 Uhr. Die Schwester kommt mit einem fröhlichen "Guten Morgen" ins Zimmer gestürmt,
um Blutdruck zu messen. Die Nacht ist vorüber. Gott sei Dank!
An die Adresse von allen, die glauben, diese Geschichte sei übertrieben oder die Ausgeburt meiner Fantasie: weder, noch! Und wenn sie vielleicht auch amüsant geklungen hat (das war Absicht, damit es auch jemand liest....), so hat sie doch einen sehr ersten Hintergrund. So fragt man sich zum Beispiel schon, wie es sein kann, dass eine einzige Schwester nachts 30 und mehr Patienten zu betreuen hat. Schwestern und Pflegepersonal in der Klinik sind sehr freundlich und kompetent - aber auch überlastet. Gerade alte und kranke Menschen erfordern einfach einen höheren Aufwand, da ist es eben nicht mit einmal waschen in 5 Minuten getan. Natürlich haben wir einerseits einen Fachkräftemangel - aber müssen wir uns nicht fragen, warum wir den haben? Die Krankenhäuser müssen sparen und diese Sparpolitik geht zu Lasten des Pflegepersonals und damit letztendlich auch zu Lasten der Patienten. In den letzten 15 Jahren wurden in Deutschland rund 50.000 Pflegestellen abgebaut. Ergo müssen sich immer weniger Pfleger um immer mehr Patienten kümmern. Dazu kommt, dass unsere Gesellschaft "altert", es werden also eigentlich mehr Pfleger benötigt und das nicht nur in Krankenhäusern. Es kommt aber kaum Nachwuchs und die Abschaffung des Zivildienstes tut ein Übriges dazu........ Die Belastung für Pfleger und Schwestern wird immer höher, die Arbeitsbedingungen schlechter, der Beruf dadurch weniger attraktiv. Pfleger werden häufiger krank und gehen früher in Rente - die Versorgung wird noch schlechter, das Pflegerpersonal muss noch mehr arbeiten..... ein Teufelskreis. Es wird Zeit, sich einmal Gedanken über die Pflegesituation zu machen und was man an den Bedingungen ändern kann, um die Betreuung von alten und kranken Menschen wieder attraktiver zu machen. Ich denke, das wäre ein Investition in unser aller Zukunft.
Ingrid`s Schatzkiste
Kreativ sein macht mehr Spaß als fernsehen
Donnerstag, 1. März 2012
Donnerstag, 11. August 2011
Mütter
also Mütter sind ja eine ganz besondere Spezies, das wissen wir, glaube ich alle. Sie sind für uns da, hegen und umsorgen uns, trösten uns, falls erforderlich und stehen jederzeit mit Rat und Tat zur Seite, egal ob man/frau nun will oder nicht. Manchmal tun sie das ein Leben lang - unabhängig davon, wie alt das "Kind" ist.
In meinem Fall ist das "Kind" 54 und wird dennoch mit einer Menge guter Ratschläger versorgt. Natürlich weiß ich, dass allesamt gut gemeint sind und teilweise aus dem Gefühl heraus entstehen, noch gebraucht zu werden und zu zeigen, dass Mutti noch am Leben teilnimmt. Dabei kommt es dann aber schon hin und wieder zu kuriosen Situationen.
Etwa wenn die bester aller Mütter -nämlich meine- der Ansicht ist, ich sei mal wieder nicht vernünftig angezogen. Nämlich zu leicht für die Jahreszeit (OK, wir hatten schon wärmere Sommer....) und mir aus ihrem schier unerschöpflichen Vorrat eine wärmende Unterhose andient. Normalerweise bevorzuge ich durchaus moderne Ausdrucksarten für dieses Kleidungsstück - in diesem speziellen Fall trifft jedoch wirklich nur eine einzige Bezeichnung zu, und die ist nun mal Unterhose. Das gute Stück ist verwaschen grau, aus schlabberigem Feinripp und die Beinteile reichen selbst größeren Menschen als mir bis zu den Knien. Seine besten Zeiten hat es vermutlich nach dem Weltkrieg erlebt, ich weiß nur nicht, nach welchem....... Ich habe es dankend angenommen und umgehend in der Restmülltonne entsorgt. Der Altkleidersack schien mir zu gewagt.....
Dann gab es die Situation, dass ich ausgehen wollte. Ich sah noch schnell bei meiner Mutter vorbei. Die musterte mich von oben bis unten und ich muss wohl nicht extra erwähnen, dass der Blick überaus kritisch war. Immehin trug ich einen Rock, der ca. 2 cm über meinen Knien endete....... Kommentar: "Du willst doch wohl nicht so weggehen? Zieh Dich doch nicht immer so aufreizend an, Kind...." Hatte ich schon erwähnt, dass ich 54 bin? Hatte ich. Mutti ist übrigens 86. Da sieht man die Dinge vielleicht schon ein bisschen anders.
Das Highlight hatten wir dann aber letzten Montag. Ich kam abends nichtsahnend nach Hause. Ich schau dann immer bei Muttern rein, ob alles OK ist und hole meinen Hund ab. Und wieder einmal hat mich dieser kritische Blick empfangen. Unwillkürlich schaute ich a mir herunter - Jeans, Turnschuhe, Jacke..... nichts besonders "Aufreizendes" also. "Ich habe heute meiner Putzfrau Deine Wohnung gezeigt" sagt sie. Da stellen sich mir schon ein bisschen die Nackenhaare. Das geht ja mal gar nicht! "Da sah es ja aus. Überall lag Deine Reizwäsche herum!" Ich muss vielleicht erklären, dass für meine Mutter alles Reizwäsche ist, was weniger Stoff aufweist wie die weiter oben erwähnte Unterhose. Und ich gebe zu - ich hatte nicht aufgeräumt. Aber ich habe auch nicht mit unangekündigten Besichtigungstouren durch mein kleines Reich gerechnet. Entsprechend war ich auch etwas sauer. Womit ich jedoch auf Unverständnis gestoßen bin. Schließlich liegt es ja an mir, wenn man niemand in meine Wohnung lassen kann.......... Aber so sind Mütter eben!
In meinem Fall ist das "Kind" 54 und wird dennoch mit einer Menge guter Ratschläger versorgt. Natürlich weiß ich, dass allesamt gut gemeint sind und teilweise aus dem Gefühl heraus entstehen, noch gebraucht zu werden und zu zeigen, dass Mutti noch am Leben teilnimmt. Dabei kommt es dann aber schon hin und wieder zu kuriosen Situationen.
Etwa wenn die bester aller Mütter -nämlich meine- der Ansicht ist, ich sei mal wieder nicht vernünftig angezogen. Nämlich zu leicht für die Jahreszeit (OK, wir hatten schon wärmere Sommer....) und mir aus ihrem schier unerschöpflichen Vorrat eine wärmende Unterhose andient. Normalerweise bevorzuge ich durchaus moderne Ausdrucksarten für dieses Kleidungsstück - in diesem speziellen Fall trifft jedoch wirklich nur eine einzige Bezeichnung zu, und die ist nun mal Unterhose. Das gute Stück ist verwaschen grau, aus schlabberigem Feinripp und die Beinteile reichen selbst größeren Menschen als mir bis zu den Knien. Seine besten Zeiten hat es vermutlich nach dem Weltkrieg erlebt, ich weiß nur nicht, nach welchem....... Ich habe es dankend angenommen und umgehend in der Restmülltonne entsorgt. Der Altkleidersack schien mir zu gewagt.....
Dann gab es die Situation, dass ich ausgehen wollte. Ich sah noch schnell bei meiner Mutter vorbei. Die musterte mich von oben bis unten und ich muss wohl nicht extra erwähnen, dass der Blick überaus kritisch war. Immehin trug ich einen Rock, der ca. 2 cm über meinen Knien endete....... Kommentar: "Du willst doch wohl nicht so weggehen? Zieh Dich doch nicht immer so aufreizend an, Kind...." Hatte ich schon erwähnt, dass ich 54 bin? Hatte ich. Mutti ist übrigens 86. Da sieht man die Dinge vielleicht schon ein bisschen anders.
Das Highlight hatten wir dann aber letzten Montag. Ich kam abends nichtsahnend nach Hause. Ich schau dann immer bei Muttern rein, ob alles OK ist und hole meinen Hund ab. Und wieder einmal hat mich dieser kritische Blick empfangen. Unwillkürlich schaute ich a mir herunter - Jeans, Turnschuhe, Jacke..... nichts besonders "Aufreizendes" also. "Ich habe heute meiner Putzfrau Deine Wohnung gezeigt" sagt sie. Da stellen sich mir schon ein bisschen die Nackenhaare. Das geht ja mal gar nicht! "Da sah es ja aus. Überall lag Deine Reizwäsche herum!" Ich muss vielleicht erklären, dass für meine Mutter alles Reizwäsche ist, was weniger Stoff aufweist wie die weiter oben erwähnte Unterhose. Und ich gebe zu - ich hatte nicht aufgeräumt. Aber ich habe auch nicht mit unangekündigten Besichtigungstouren durch mein kleines Reich gerechnet. Entsprechend war ich auch etwas sauer. Womit ich jedoch auf Unverständnis gestoßen bin. Schließlich liegt es ja an mir, wenn man niemand in meine Wohnung lassen kann.......... Aber so sind Mütter eben!
Donnerstag, 14. Juli 2011
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