Die Schatzkiste

Kleines und Feines, Schönes und Schräges, Witziges und Nachdenkliches. Kunst und Schmuck für die schönen Seiten des Lebens, die Geschichten dazu und ein paar private Gedanken.

Montag, 24. August 2009

Das kalte Grauen.......

......oder aber kleiner Nachtrag zum Post "Kassensturz".

Letzten Freitag im Markt. So gegen 19.30 Uhr. Es ist immer noch heiß - zugegeben. Und die Leute haben im Garten gearbeitet oder auf dem Bau oder was weiß ich wo. Da transpiriert der eine oder andere schon mal etwas und dafür hat man ja Verständnis, natürlich.

Aber mal ganz unter uns - es gibt Dinge, die müssen nicht sein! Also noch mal zurück zur Ausgangssituation. 19.30 Uhr, Kassenbereich. Es gibt eine kleine Schlange. Aber wirklich nur eine kleine, der Hauptansturm ist vorbei. Auffällig ist, dass da um den ähhhh, etwas korpulenteren Mann, der als 3. Person wartet, ziemlich viel ungenutzter Raum ist. Das ist dann doch eher ungewöhnlich. Als er näher kommt, merke ich warum: eine Duftwolke der Marke ungewaschene Kleidung und alter Schweiß zieht in meine Nase. Die Dame vor dem besagten Kunden räumt ihre Ware in absoluter Rekordgeschwindigkeit zurück in den Einkauswagen und verlässt den Markt fluchtartig. Nur ich kann mal wieder nirgendwo hin... Das Schicksal rückt also unsausweichlich näher.

Heroisch füge ich mich und scanne die Ware des Kunden akkordartig. Eine Kiste Bier, Kartoffelchips, ein Ring Fleischwurst, Brötchen aus dem Backshop. Na wenigstens geht das schnell! Als der Mann den Kasten vom Band nimmt (worauf er übrigens sowieso eigentlich gar nichts verloren hat....) fallen mir dunkle Ränder auf dem gestreiften Muscle-Shirt Größe XXXXL auf. Kann ja irgendwie nicht jeder duschen bevor er zum Einkaufen geht, aber, mal ganz ehrlich, schön wär`s doch, jedenfalls manchmal.

Na ja, inzwischen sind wir beim Zahlen angekommen. Ich lehne mich in meinem Stuhl zurück soweit es meine 0,5 Quadratmeter zulassen, hilft aber nicht viel. Er kramt in den Taschen seiner verblassten Jeans nach Geld, reicht aber wohl nicht ganz, jedenfalls steckt er eine handvoll Münzen zurück. Und nun? Er zieht sein Shirt aus dem Bund der Hose und auf meinem Gesicht macht sich vermutlich ein Ausdruck ungläubigen Staunen`s breit. Er wird sich doch jetzt hier nicht ausziehen? Oder etwa doch? Zumindest öffnet er den Hosenknopf. Ich halte die Luft an (aus verschiedenen, leicht nachvollziehbaren Gründen) und so eine Art Fluchtreflex setzt bei mir ein. Nur kann ich immer noch nirgendwo hin..... Inzwischen ist seine rechte Hand in der Hose verschwunden (worauf mein linkes Augenlid zu zucken beginnt - das tut es immer, wenn ich hochgradig nervös bin) und es sieht aus als suche er etwas. Und tatsächlich - zum Vorschein kommt eine Gelbörse an einer kurzen Kette. Der Mann zieht einen 50iger aus dieser Börse und lächelt mich freundlich an, als er ihn mir mit großer Geste überreicht. Ich denke dabei an Dinge wie Sagrotan und chirurgische Handschuhe und ringe mir ein "schönes Wochenende" ab, bevor ich meine Kasse schließe und in den Waschraum flüchte. Schade nur, dass es bei uns keine Duschen gibt!