Die Schatzkiste

Kleines und Feines, Schönes und Schräges, Witziges und Nachdenkliches. Kunst und Schmuck für die schönen Seiten des Lebens, die Geschichten dazu und ein paar private Gedanken.

Donnerstag, 7. Januar 2010

Südafrika! Und zwar ganz ohne Fußball.....


wenn es - wie jetzt - Winter wird in Deutschland, hab`ich immer mal Lust, in alten Reiseunterlagen zu stöbern. Dabei bin ich diesmal auf eine Südafrika-Reise gestoßen. Die liegt zwar schon ein paar Jahre zurück (der beste aller Ex-Ehemänner war dabei - es muss also mindestens......wenn nicht noch länger her sein) ist aber auf jeden Fall eine Erinnerung wert. Wenn nicht sogar eine Wiederholung. Ohne den besten aller Ex-Ehemänner natürlich und ganz bestimmt nicht im Fußballjahr 2010. Wenn Ihr mögt, lest meinen Bericht, aber ich muss Euch warnen - es wird mal wieder ein Mehrteiler! Vielleicht kommt Ihr dann ja auch auf den Geschmack.

Ein Samstag im November - der erste Schnee

der Tag beginnt mit Schnee - viel Schnee! Dem ersten in unserer, eigentlich nicht so alpinen Gegend, und das ausgerechnet heute! Auf "hr3" berichten sie ständig über Flugausfälle und Verspätungen, für mich klingt das wie eine Drohung. Denn heute soll es in den lang ersehnten Urlaub gehen. 2 Wochen Südafrika. Die Tickets von South African Airways habe ich gewonnen, vor fast einem Jahr schon. Und jetzt, wo es endlich soweit ist, schneit es hier in dicken, weißen Flocken vom Himmel. Unser Flug soll erst um 22.35 Uhr starten und ich hoffe, die Lage normalisiert sich bis dahin.

Gegen 22.00 Uhr sitzen wir dann auch planmäßig in der Maschine - jetzt werden erst einmal die Tragflächen enteist. Das bedeutet schon mal eine knappe Stunde Verspätung. In der Zwischenzeit versucht die Crew, das Video mit den Sicherheitshinweisen zum Laufen zu bringen - mit mäßigem Erfolg. Entweder, es gibt Ton aber kein Bild. Oder es gibt Bild, aber ohne Ton. Oder es gibt beides - aber zeitlich versetzt. Nach dem 10. Versuch geben sie es auf und machen es auf die gute, alte Art. Ich hoffe, dass dies das einzige technische Problem ist, dass wir haben werden. Ich leide nämlich unter Flugangst und steige nur im äußersten Notfall in einen Flieger. Also bei Langstreckenflügen, der Überquerung von größeren Wasserflächen oder wenn ich es wirklich mal sehr eilig habe.

Der Flug ist ausgesprochen unruhig, Turbulenzen über den Alpen und dann auch wieder ab dem afrikanischen Kontinent. Das Essen wird mehrfach verschoben und trotz der verlockend klingenden Menükarte (Vorspeise, 2 Menüs zur Wahl und Dessert) fehlt mir der rechte Appetit. Als es dann gegen 01.00 Uhr nachts endlich wirklich Essen gibt, hat niemand mehr Hunger. Ich habe in der Zwischenzeit versucht, mich mit einem leichten afrikanischen Rotwein zu betäuben, aber an Schlaf ist nicht zu denken. Hinter uns sitzt eine Gruppe trinkfester dänischer Sportler, mittlerweile total alkoholisiert und hörbar guter Stimmung. Die Cabincrew wirkt leicht genervt und der Geschäftsmann neben mir braucht eigentlich eher 2 Sitze. Und ich wünsche mir, dass es endlich morgen wird!

Sonntag - Kapstadt - endlich!

Gegen 9.00 Uhr morgens landen wir zunächst in Jo`burg. Die meisten Fluggäste steigen hier aus. Zum Glück auch mein raumgreifender Sitznachbar. Er hat seine Schlafmaske vergessen, sie wie eine Sonnenbrille zurück ins Haar geschoben und dort vergessen.... Wir haben eine Stunde Aufenthalt, die Crew wechselt hier. Auf dem anschließenden Weg nach Kapstadt sind noch ungefähr 20 Leute in der 747 und es gibt ein 2. Frühstück.

12.35 Uhr - pünktliche Ankunft in Capetown. Kapstadt hat einen netten, übersichtlichen Flughafen, alles gut überschaubar und sehr sauber. Die Koffer kommen praktisch sofort. Unser Hotelier (im Folgenden "unser Willi" genannt) holt uns ab und auf der Fahrt nach Sommerset West bekommen wir die ersten Infos zu Land und Leuten, der Vegetation und über die Namen der Townships, an denen wir vorbei kommen. Aufnahmefähig bin ich aber eigentlich nicht mehr. Immerhin sind wir inzwischen seit über 28 Stunden auf den Beinen - mehr oder weniger jedenfalls.

Unser Zimmer in Willi`s Guesthouse ist ausgesprochen geräumig (bei uns würden sie da garantiert 2 Zimmer daraus machen und das auch nur in den besseren Hotels) und sehr freundlich und persönlich eingerichtet. Das Bett ist eine extragroße Sonderanfertigung, der Schrank hat genug Stauraum für das Gepäck einer Fußballmannschaft und im Bad gibt es sogar eine richtige Badewanne. Und natürlich gibt es einen großen, luftigen Balkon.

Das Wetter ist gut, etwa 24°C. Wir packen in Rekordgeschwindigkeit aus und legen uns erst mal an den Pool - endlich relaxen! Da wir keinen Mietwagen gebucht haben (haben uns nicht getraut - Linksverkehr....) fährt unser Willi uns abends zu einem hübschen Lokal - "Romaine`s Restaurant". Irgendwie hatte ich geglaubt, man könne zu Fuß gehen - Willi ist schier entsetzt über so viel Naivität. Auch in einem ruhigen Vorort von Kapstadt läuft niemand, der an seinem Leben hängt, und schon gar kein Tourist, abends alleine in der Gegend `rum. Aber wie dem auch sei - jetzt haben wir erst mal einen Tisch mit Meerblick, romantischen Sonnenuntergang inklusive. Das Essen ist hervorragend und äußerst preiswert für unsere Verhältnisse. Die Besitzer kommen übrigens aus Süddeutschland, auch sie Aussteiger wie Willi und seine Frau.