Die Schatzkiste

Kleines und Feines, Schönes und Schräges, Witziges und Nachdenkliches. Kunst und Schmuck für die schönen Seiten des Lebens, die Geschichten dazu und ein paar private Gedanken.

Dienstag, 12. Januar 2010

Südafrika! Kap der guten Hoffnung



Nachdem wir dienstags den ganzen Tag in Kapstadt mit bummeln und shoppen verbracht haben (was übrigens auch tierisch anstrengend war, den ganzen Tag rumlaufen, nur unterbrochen von essen und trinken...), zieht es uns am Mittwoch wieder raus in die Landschaft.

Wir haben mit Willi vereinbart, an diesem Tag eine große Kaprundfahrt zu machen. Um 8.45 uhr geht`s los. Wir nehmen noch 2 Gäste aus Sommerset West mit. Zunächst geht die Fahrt an der False Bay entlang (False Bay bedeutet falsche Bucht. Als die ersten Portugiesen und Engländer hier landeten, glaubten sie nämlich irrtümlich, sie wären schon in der Tafelbucht) und über Muizenberg nach Kalk Bay. Wir besuchen Scratch Patch Mineral World, wo noch Halbedelsteine bearbeitet werden. Besonders häufig wird in Südafrika - neben Diamanten - Tigerauge gefunden. Unbearbeitet sieht er total unscheinbar aus, erst geschliffen und poliert verwandelt er sich in einen wunderschönen Stein mit einem warmen, hellbraunen Farbton. Die Besichtigung ist ganz interessant, aber die anderen beiden Gäste sind irgendwie nur daran interssiert, schrecklichen Tourikitsch zu kaufen. Na ja.

Anschließend fahren wir nach Simonstown. Das ist ein richtig idyllischer Küstenort. Während des 2. Weltkrieges lebte hier ein Dänische Dogge namens Just Nuisance, die in der britischen Navy diente (kein Witz! Ist historisch belegt).

Die Bronzestatue des beliebtesten Hundes von Simon’s Town kann man auf dem "Jubilee Square" bewundern. Die dänische Dogge steht wachsam auf einem Steinblock und überblickt den malerischen Hafen von Simons Town. Auf dem Felsen befestigt, liegt noch eine Matrosenmütze und ein Hundehalsband, welche bezeugen, dass die Dogge ein richtiger Seemann war. Ich frage mich, ob sie die Mütze wirklich getragen hat... Die Dogge begleitete die Soldaten ab und zu zum Bahnhof nach Kapstadt. Die Eisenbahnbehörde war damit aber nicht einverstanden. Nach monatelangen Streitereien fand die Royal Navy jedoch eine Lösung, indem die beliebte Dogge einfach in den Dienst stellte. Somit war die Dogge “Able Seaman Just Nuissance” offiziell bei der königlichen Marine angestellt und hatte den Rang eines Seemanns. Im April 1944 verstarb die Dogge. Sie wurde mit allen militärischen Ehren beigesetzt.


Nach einem kurzen Stadtrundgang (schade, ist echt schön hier) fahren wir raus zur Pinguinkolonie von Boulder. Der Name Boulder kommt von den großen, runden Steinblöcken, auf, zwischen und neben denen die Pinguine leben. Die Kapppinguine waren vom Aussterben bedroht. Ursprünglich lebten sie auf einer kleinen Insel vor der Küste, die weitestgehend aus dem über die Jahrhunderte abgelagerten Guano bestand. Als man entdeckte, dass sich daraus ein hervorragender Bluemdünger herstellen ließ, wurde der Guano abgebaut und damit der Lebensraum der Pinguine zerstört. Einige wenige Paare siedelten in Boulder an und wurden unter Artenschutz gestellt. Übrigens sehr zum Leidwesen der Anwohner: die possierlichen Tierchen machen einen Heidenlärm und stinken zum Himmel. Inzwischen haben sie sich auch sehr stark vermehrt.


Weiter geht es durch den Cape Peninsula National Park zum Cape Point. Vom Parkplatz aus wandern wir zum alten Leuchtturm. Hier herrscht ein unglaublich starker Wind aber wenn man ganz oben ist, wird man von einem atemberaubenden Blick über den Ozean belohnt. Übrigens ist das Kap nicht etwa der südlichste Punkt Afrikas, wie man ursprünglich annahm. Auch treffen sich hier nicht die beiden Meere (Atlantik und Indischer Ozean), sondern in Cape Agulhas weiter östlich. Die Gschichte vom Leuchtturm ist recht witzig. Erst hat man eine halbe Ewigkeit (50 Jahre) daran gebaut und als er fertig war, musste man feststellen, dass die Stelle, an der er steht, bei Nebel nicht zu sehen ist. Leider ist es hier sehr oft nebelig... und so musste man einen neuen Leuchtturm bauen, dieser liegt nur 80 Meter über dem Meeresspiegel und ist heute noch in Betrieb.

Nach einem gemütlichen Picknick (Willi`s Frau hat wieder einmal ausgesprochen gut für unser Wohl gesorgt) fahren wir weiter zur "Cape Point Ostrich Farm". Auch hier gibt es eine kurze Führung und wir sehen, wie die jungen Strauße aufgezogen werden. Strauße werden zur Fleischgewinnung gezüchtet (klingt das nicht schrecklich?), die Haut wird zu Leder verarbeitet. Straußenleder ist neben Elefantenleder das haltbarste und teuerste Leder überhaupt. Die kleinen Strauße sehe aus wie Igel auf Stelzen. Der "Vorführ-Strauß" interssiert sich sehr für Jürgens Armbanduhr und seine Hemdknöpfe. So schnell kannst Du nicht gucken, pickt er danach. Da hat so ein Knopf keine große Lebenswerwartung! Hier auf der Farm leben die Strauße in großen Freigehegen. Mehrere Straußendamen legen ihre Eier zusammen in ein Nest, bis ca. 25-30 Eier zusammenkommen. Erst dann beginnt das Brutgeschäft. Da die Arbeiter die Eier quasi aus den Nestern stehlen, sobald sie gelegt sind (das ist nicht ganz ungefährlich - ein Strauß kann mit seiner Kralle töten. Daher lenkt jeweils ein Mann die Strauße ab und ein anderer nimmt die Eier aus dem Nest). Anschließend kommen sie in einen Brutschrank. Nach ca. 23 Tagen schlüpfen die kleinen Strauße. Sie wachsen sehr schnell. Mit ungefähr 14 Monaten werden sie verkauft. Man verwendet fast ausschließlich das Fleisch der Oberschenkel, das praktisch cholesterinfrei ist, außerdem natürlich das Leder (das der Schienbeine sieht aus wie Krokodilleder) und in geringerem Maß die Federn. Für Touristen interessant sind natürlich die beliebten Lederwaren und die gemalten Straußeneier. Ich wede schwach und kaufe auch eines, es ist wirklich wunderschön, nicht bemalt, sondern aus seiner Oberfläche wurden die Big Five heraus geschnitzt. Obwohl die Eier-solange sie geüfllt sind- je nach Lage mit bis zu 250kg belastet werden können, gehen sie kaputt, wenn man sie fallen lässt. Ab heute lebe ich also in ständiger Angst um mein Ei und hüte es wie meinen Augapfel.

Weiter geht es über den Chapmans Peak Drive (Panoramastraße mit schönen Aussichtspunkten) nach Hout Bay (Holzbucht). Im Fischerhafen sehen wir Robben. Zum Abschluß fahren wir auf den Signal Hill. Von hier hat man einen herrlichen Ausblick über Kapstadt. Es findet gerade eine Hochzeitsfeier statt, wie romantisch!

Abends sind wir total erledigt. Willi bestellt uns einen Tisch bei "Delmici". Dort gibt es ein fantastisches Fischbuffet, das wir leider nicht so recht genießen können, weil wir so müde sind. Ich schlafe schon fast über der Suppe ein! Wir beschließen, den Abend früh zu beenden und lieber im Laufe der Woch noch einmal zu kommen. Der Chef des Hauses fährt uns ins Guesthouse zurück, das ist wirklich nett! Leider ist in der Woche aber kein Tisch mehr zu bekommen, da die ersten Weihnachtsfeiern beginnen. Schade!

Sonntag, 10. Januar 2010

Südafrika! In Vino veritas.

Ich habe ja schon lange eine ganz besondere Vorliebe für rote Südafrikaner und der beste aller Ex-Ehemänner ist auch nicht gerade ein Kostverächter. Daher ist eine Tagestour durch die Winelands rund um Kapstadt natürlich unverzichtbar, wenn man schon mal hier ist.

Es ist Montag, 06.00 Uhr und ich bin wunderbarerweise putzmunter. Erst mal also einen Early-Morning-Tee auf dem Balkon mit Blick auf den Sonnenaufgang. So sollte jeder Tag beginnen! Jürgen braucht -wie immer- etwas länger und schafft es gerade mal so um 8.00 Uhr pünktlich beim Frühstück zu sein. Das ist übrigens total genial. Alles was das Herz begehrt! Cornflakes, Müsli, Quark, Obst, selbstgebackenes Brot, Honig, Wurst, Käse. Und Willi`s Frau macht eindeutig die weltbesten Rühreier mit Tomaten und frischen Pilzen. Also die perfekte Grundlage für unsere Tour durch die Winelands - mit Weinproben, versteht sich!


Um 09.00 Uhr geht es los. Unser Willi hat die reguläre Tour extra für uns ein wenig umgestellt, weil wir im Laufe der Woche auch die 4-Pässe-Tour machen wollen und dadurch einen Programmpunkt doppelt hätten. Das ist schon ein sehr individueller Service! Zunächst fahren wir über Stellenbosch nach Paarl zur KWV, dem größten Weinhersteller Südafrikas. KWV produziert fast ausschließlich für den Export in`s Ausland. In Südafrika selbst dürfen nur Weine und Brandweine verkauft werden, die älter als 10 Jahre sind. Die Besichtigung beginnt mit einem kurzen Video über die Geschichte des Weinbaus in Südafrika, anschließend kommt die Führung in deutscher Sprache. Die KWV kauft Trauben bei den diversen Winzern ein und verarbeitet sie dann zu Wein und Brandy. Es ist eine richtige Fabrik, von Winzerromantik ist nichts zu spüren. Die Weine werden teilweise in riesigen Stahlsilos gelagert. Alles macht zwar einen sehr professionellen Eindruck, ist aber irgendwie sehr ernüchternd. Das einzig bemerkenswerte ist die Familie Bill: drei große Holzfässer, Mr. Bill, Mrs. Bill und Baby Bill. Extra für die Touris aufgstellt.

Anschließend folgt die obligatorische Weinprobe: Rotwein, Weißwein und Sherry. Alles in allem schon interessant, nur ganz anders, als ich mir so ein ein Weingut vorgestellt habe....

Weiter geht es zum Sprachendenkmal von Paarl, dem Taalmonument. Als einziges Sprachdenkmal der Welt symbolisiert es die verschiedenen Sprachen und Kulturen, die in Südafrika vorherrschen. Und man hat von hier einen wirklich fantastischen Ausblick über die umliegenden Täler und Bergrücken. Sehr beeindruckend.


Und weiter gehts zum nächsten Weingut: Uitkyk (spricht man Eitkyk). Also DAS entspricht meiner Vorstellung von einem Weingut nun schon eher! Ein schönes, historisches Gebäude in einer gepflegten Parkanlage. Die Weinverkostung findet in einem wunderschönen, holzgetäfelten Salon statt. Nur der Wein schmeckt uns leider nicht......

Mittagessen gibt es im Weingut Morgenhof, diesmal ohne Weinprobe. Die Anlage ist traumhaft schön (daher finden hier vermutlich auch so viele Hochzeiten statt, man hat sogar eine eigene Kapelle). Wir sitzen im Garten unter einer alten Eiche und lassen uns das Essen schmecken. Die Kellner tragen witzige T-Shirts, weiß mit lauter Abdrücken von Weingläsern darauf. Unter dem jeweiligen Abdruck steht der Name des entspechenden Weines - macht das Bestellen ziemlich einfach.

Danach geht es weiter zu"Van Ryn Brandykellers". Die Führung findet in englisch statt und wir sehen, wie Brandy destilliert wird und man ein Holzfass herstellt. Und natürlich gibt es auch hier wieder eine Probe....

Jetzt steht nur noch ein Weingut auf dem Programm - Gott sei Dank! So langsam kann ich keinen Wein mehr sehen. Irgendjemand hätte mir mal vorher sagen sollen, dass man den ganzen Wein nicht trinken soll, sondern eigentlich wieder ausspuckt. Trotzdem ist Rust en Vrede (Rast und Friede) ein kleines, aber feines Weingut. Hier wird nur Rotwein produziert.


Abends fährt Willi uns zu einem Steakhouse und ich trinke nur Bier. Danach falle ich totmüde und total beschickert ins Bett.