Die Schatzkiste

Kleines und Feines, Schönes und Schräges, Witziges und Nachdenkliches. Kunst und Schmuck für die schönen Seiten des Lebens, die Geschichten dazu und ein paar private Gedanken.

Sonntag, 17. Januar 2010

Südafrika! Ab in die Wildnis...... Makutsi Safari Farm


Wir genießen die Woche am Kap bei Willi und seiner Frau wirklich sehr. Die moderne Stadt, die Ausflüge, das Guesthouse, ja sogar die bei klapp 26°C etwas seltsam anmutende Weihnachtsdekoration von Sommerset West (worauf man übrigens mächtig stolz ist!). Aber das Afrika, das man sich so vorstellt, haben wir bisher noch nicht erlebt. Trotzdem würde ich jederzeit wieder kommen, es gibt so viel, das ich noch nicht gesehen habe.

Anders einige Urlauber, die wir hier kennen gelernt haben: ein Ehepaar aus dem Ruhrgebiet, sind ausschließlich zum Golfen hier. Die Frau ist zutiefst entsetzt über den Anblick der Townships, an denen man auf dem Weg vom Flughafen vobei kommt. Sie möchte während ihres Urlaubes nämlich nicht mit den unangenehmen Seiten dieser Welt konfrontiert werden. An den Gesprächen, die wir abends mit Willi über dieProbleme des Landes führen, nehmen die beiden erst gar nicht teil. Ist ja auch OK aber ich kann nicht verstehen, wie jemand, der nach Südafrika reist, sich nicht im Vorfeld über die Verhältnisse im Land informiert. Dafür können sie die Vor- und Nachteile sämtlicher Golfplätze am Kap herunterbeten. Touren machen sie keine, sie spielen wirklich nur Golf! Der Gipfel allerdings ist, dass die Frau eines Morgens beim Frühstück verlauten lässt, dass sie sich in der Umgebung von schwarzen Menschen nicht wohl fühlt. Und davon gibt es hier naturgemäß natürlich reichlich!

Aber wie dem auch sei, die Woche nähert sich dem Ende. Wir haben noch einen Tag, den wir zu einer Wandertour durch den Helderberg-Nationalpark nutzen. Abends leeren wir mit Willi und Helga eine Flache Sekt zum Abschied.

Am nächsten Morgen um 4.00 Uhr wecken, 5.00 Uhr Abfahrt zum Flughafen, Abflug pünktlich um 06.30 Uhr. Um 08.25 Uhr sind wir bereits in Johannesburg. Ein Riesenflughafen ist das! Unser Transfer ist erst um 11.00 Uhr geplant aber ich bin froh, dass wir den frühen Flug genommen haben. Alles ist total unübersichtlich und wir müssen vom national zum international Terminal. Ständig wird man angesprochen, angerempelt oder mit irgendwelchen Gepäckwagen umgefahren. Es wimmelt am frühen morgen schon vor Menschen. Wir brauchen über eine Stunde, um unseren Treffpunkt zu finden.

Unser Fahrer, Robert, ist schon um 10.30 Uhr da. Und - hurra - wir sind die einzigen nach Makutsi an diesem Tag. Im Wagen bekommen wir die ersten Informationen zur Farm und alles hört sich sehr gut an. Jürgen sitzt vorne, ich teile mir die Rückbank mit ungefähr 20 Kisten Nescafe. Wir fahren zügig aus Jo`burg `raus in Richtung Drakensberge. Und je weiter wir kommen, desto schlechter wird das Wetter. Nach 2. Stunden legen wir eine kurze Rast ein und es regnet in Strömen. Wir essen eine Kleinigkeit und warten auf den Fahrer, der Robert ablösen soll. Er kommt aus Makutsi und bringt einen Gast mit, der heute zurück nach Deutschland fliegt. Sein Name hört sich irgenwdie wie Iesco (keine Ahnung, wie man das schreibt) an, er ist Südafrikaner und wenn er spricht, glaubt man, Howard Carpendale vor sich zu haben. Auf dem Weg erklärt er uns schon Einiges über die Lebensweise der Menschen hier. Als er mitbekommt, dass wir bisher noch keine Tiere zu Gesicht bekommen haben, macht er uns auf alles Aufmerksam, was mehr als 2 Beine hat. Auch auf Katzen, Hunde, Ziegen und Elstern......

Obwohl ich es kaum für möglich gehalten habe, wird das Wetter noch schlechter. In den Drakensbergen gewittert es heftig. Man sieht kaum die Hand vor Augen. Gegen 16.30 Uhr nähern wir uns dem Wildreservat, der Makutsi Safari Farm, unserem Domizil für die kommende Woche. Es umfasst ca. 8500 Hektar und ist durch den Zusammenschluss vom 3 Farmen entstanden. Hier leben praktisch alle Arten heimischer Wildtiere. Das ganze Gebiet wird von einem 2.40 Meter hohen Elektrozaun begrenzt. Das große Eingangstor erinnert an "King-Kong"..... und ich fühle mich ein bisschen wie die weiße Frau. Auf dem Weg zur zur eigentlichen Guest-Farm macht uns Iesco darauf aufmerksam, dass wir immer innerhalb der Guest-Farm bleiben sollen. Wenn wir weiter gehen wollen, dann nur mit Führer. So ganz langsam wird mir klar, dass wir hier wirklich mitten unter Tieren leben.

Der erste Eindruck ist trotz der herzlichen Begrüßung durch Familie Weber einfach deprimierend. Es regent nach wie vor, der Parkplatz vor der Rezeption ist eine einzige Schlammpiste und zur Begrüßung gibt es statt eines Cocktails eine Taschenlampe und einen Regenschirm, na prima....

Unser Häuschen (nennt man hier übrigens Rondavel, vermutlich weil die Häuser rund sind. Die Gemeinschaftsgebäude heißen Laapa) wirkt auf den ersten Blick ziemlich rustikal. Steinfußboden, weiß getünchte Wände, Strohdach, Moskitonetz, Deckenventilator. Wie in Daktari. Es gibt einen abgeteilten Sanitärbereich mit Dusche und WC, außerdem eine kleine Küche mit Kühlschrank und Heißwasserkocher. Vervollständigt wird das Ganze durch eine kleine Sitzgruppe. Falls es weiter regnet, kann ich hier wenigstens malen, nur werden die Bilder dann nicht trocken. Und die Terrasse mit den den Gartenmöbeln und dem gemauerten Grill werden wir wohl dann nicht brauchen..... Die Rondavels liegen so weitläufig auseinander, dass jeder, wenn er will, für sich bleiben kann. Rundherum stehen jede Menge -jetzt vor Nässe triefende- Bäume und Sträucher. Neben Bananenstauden, Palmen, Jaccaranda und Akazien gibt es riesige Kakteen und Pflanzen, die ich noch nie gesehen habe.

Man hat uns gesagt, dass die Bar um 1800 Uhr öffnet. Essen gibt es Punkt 1900 Uhr. Bleibt gerade genug Zeit zum Auspacken und Duschen. Danach wieder in die wasserdichten Trekkingstiefel und ab an die Bar. Wenn ich mir das Wetter schon schöntrinken muss, kann ich ebenso gut gleich damit anfangen!

Die Bar entpuppt sich als ein von drei Seiten offenes, überdachtes Gebäude. Im vorderen Bereich stehen 2 lange Tische, hier finden die gemeinsamen Mahlzeiten statt. Weiter hinten sind ettliche Sessel um ein offenes Feuer gruppiert - die Bar. Sehr wildromantisch. Das Abendessen und der Umtrunk davor scheinen der gesellschaftliche Höhepunkt des Tages zu sein. Im Moment haben sich ca. 15 Leute hier eingefunden, das Durchschnittsalter der anderen Gäste liegt bei gut 70 Jahren. Hoffentlich spielen die nicht Bingo nachmittags......... Der erste Kontakt ist schnell hergestellt, jeder freut sich über Nachrichten aus Deutschland. Die anderen Gäste sind teilweise schon recht lange hier (ein ehepaar seit September) und viele schon zum wiederholten Male. Kann also so schlecht doch nicht sein.

Um 1900 Uhr nehmen zwei einheimische Mächen in bunter afrikanischer Tracht an einer großen Trommel Platz. Und dann wird getrommelt, was das Zeug hält - das ersetzt den Gong zum Essen, hört man garantiert bis in den letzten Winkel der Anlage. Nun kommt doch so etwas wie Urlaubsstimmung auf (was aber auch an der halben Flasche Nedernberg liegen kann, die ich inzwischen intus habe...). Das Essen ist gut und reichlich. Es gibt frischen Salat aus eigenem Anbau, Lasagne und Eis zum Nachtisch. Nach dem Essen ein kurzes gemütliches Beisammensein am Feuer. Danach soll uns ein Guide zum Rondavel bringen, weil morgens Löwenspuren in der Nähe der Bungalows gefunden wurden. Das lehnen wir aber heldenhaft ab, Nedernberg sei Dank!


Südafrika! Vier Pässe


Nach dem Frühstück fahren wir zum historischen Weingut Boschendal. Das Bild des Hauses kennt Ihr bestimmt - das ist einfach in jedem Prospekt und schätzungsweise auf jeder dritten Weinflasche, die vom Kap kommt. Der Rosengarten und das historische Gebäude sind sehenswert, auf die Weinprobe verzichten wir diesmal lieber.....

Weiter geht es über den Helshoogte Pass nach Franchhoek. Der beste aller Ex-Ehemänner kann endlich die verschiedenen Biersorten kaufen, die er einem Freund in Deutschland mitbringen will. Bier gibt es in Südafrika nicht etwa wie bei uns im Supermarkt sondern nur in sogenannten Liquer Shops.

Danach besuchen wir das Hugenottenmuseum. Ein kleiner Teil der Hugenotten, die aus religiösen Gründen aus Frankreich fliehen mussten, sind nämlich auch am Kap gelandet. Hier sind sie ziemlich restlos im Vielvölkergemisch untergegangen und nur das Museum erinnert noch an sie. Ich fand es sehr interssant weil man sehen kann, wie die Menschen früher lebten und arbeiteten. Das Museumsgebäude ist der Nachbau eines Wohnhauses mit allen Einrichtungsgegenständen. Aufgefallen ist mir das kleine Bett. Entweder waren die Menschen früher viel kleiner oder sie haben total zusammengefaltet geschlafen....

Anschließend fahren wir über den Viljoen Pass weiter ins Obstanbaugebiet. Unterwegs essen wir in einem abgelegenen Restaurant. Von der Terrasse hat man theoretisch einen fantastischen Blick über das schluchtenreiche Tal, aber leider spielt das Wetter heute nicht mit, wir müssen innen sitzen. Dafür ist das Essen mal wieder hervorragend. Wenn das so weiter geht, werde ich mit einigen Kilos mehr nach Hause kommen. Hier lerne ich auch mein neues Lieblingsgetränk kennen: Savanna Dry, eine gelungene Mischung aus Bier und Apfelwein. Nach dem Essen besuchen wir einen Farmstall, bei uns würde man das als Einkauf beim Bauern bezeichnen.