Die Schatzkiste

Kleines und Feines, Schönes und Schräges, Witziges und Nachdenkliches. Kunst und Schmuck für die schönen Seiten des Lebens, die Geschichten dazu und ein paar private Gedanken.

Sonntag, 24. Januar 2010

Südafrika! Große und kleine Tiere

06.00 Uhr und ich bin glockenwach. Passiert mir grundsätzlich nur im Urlaub. Wenn ich arbeiten muss, komme ich nicht in die Gänge. Was also tun zu so einer unchristlichen Uhrzeit mitten in der Wildnis? Also erst mal mit einer Tasse Tee auf die Terrasse. Der Himmel ist zwar bedeckt, aber zumindest regnet es nicht mehr. Plötzlich eine Bewegung ungefähr 2 Meter neben mir: eine Meerkatzenfamilie tollt - vollkommen unbeeindruckt von meiner Anwesenheit - durch`s nasse Gras. Einige Meerkatzenmamis tragen ihre Baby`s am Bauch, die armen Kerlchen sind ganz nass. So etwas sieht man nicht überall und plötzlich denke ich, dass es vielleicht doch ganz schön wird.

Frühstück gibt es von 08.00-09.00 Uhr. Richtig lecker, mit allem, was das Herz begehrt. Plus ein Weihnachtsplätzchen, es ist nämlich der 1. Advent. Dann kommt die Sonne zum Vorschein und wir unternehmen einen Spaziergang durch die Anlage. Es gibt viel zu sehen und alles irgendwie eine Nummer größer, als bei uns daheim. Riesige Tausendfüssler (Shongololo), Pillendreherkäfer (Dungbeetle - es macht "Dung" wenn sie an eine Autoscheibe knallen - nein, war nur Spaß. Sie drehen Kugeln aus Tierdung), große, bunte Schmetterlinge, Eidechsen und überall Meerkatzen. Außerdem jede Menge Vögel und eine ca. 25cm große Weinbergschnecke. Und in unserer Toilette entdecke ich einen Skorpion. Das ist dem besten aller Ex-Ehemänner dann doch zu viel und der gute wird in einer Bonbon-Tüte nach draußen verfrachtet. Später erzählt Herr Weber uns, dass Skorpione normalerweise paarweise auftreten. Auf meine - etwas ängstliche - Frage, ob das giftige Skorpione sind, bekomme ich zur Antwort, ich solle mir keine Sorgen machen, kleine Operationen wie Amputationen könne man auf der Farm selbst ausführen.......

Anschließend steht noch ein Besuch des Römerbads auf unserem Programm. Die Farm hat nämlich eine eigene Thermalquelle. Das mineralische Wasser wird jeden Morgen frisch eingelassen und vom warmen Wasserstrahl kann man sich herrlich massieren lassen. Was ich übrigens schnell zu schätzen lerne! Das warme Wasser ist, innerlich und äußerlich angewendet, sehr gut für Haut und Haare und die Massage tut meinem Rücken gut. Ich bin den Rest der Woche täglich mindestens eine Stunde hier und habe bald Schwimmhäute zwischen den Zehen.

Der Rest des Tages vergeht mit relaxen auf der Terrasse. Die Sonne scheint, es ist warm. SO hatte ich mir das vorgestellt! Gegen 18.00 Uhr machen wir uns in Richtung Bar auf und ich fange an, mich wie zu hause zu fühlen. Sozusagen. Nur leider gibt es heute kein Feuer, warum auch immer. Und das hat zur Folge, dass, von der Tischbeleuchtung angelockt, tausende von Insekten über uns herfallen. Und auch die sind um einiges größer, als bei uns daheim! Bäh! Da gibt es Käfer wie aus einem billigen Horrorfilm Sie können die Flügel abwerfen, die landen dann einfach überall. Zumindest werden die fetten Kröten satt, die plötzlich auftauchen. Wo man hin sieht, Käfer und Kröten. Essen mag ich heute nichts! Da sind mir große Tiere doch entschieden lieber. Und als Iesco in die Runde fragt, wer Lust auf einen Nacht-Safari hat, bin ich die erste, die "Hier" ruft. Es geht gleich nach dem Essen los, keine Zeit zum umziehen, aber was solls. Zunächst fahren wir durch die Anlage. Schon hier sehen wir Buschböcke, meine neuen Freunde, die Meerkatzen und Buschbaby`s. Das sind ganz kleine Affen (erwachsene Tiere wiegen um die 200 Gramm - zum Vergleich: mein Meerschwein Robby wiegt 750 Gramm), die bis zu 7 Meter weit springen können. Der Name Buschbaby kommt daher, dass ihre Rufe wie das Weinen von Babys klingt.

An diesem Abend sehen wir noch Impalas, Krokodile, Reiher einen Schabrakkenschakal und Borkenspinnen. Auch so ein Tier, mit dem ich niemals Freundschaft schließen möchte, übrigens. Tagsüber sitzt sie praktisch unsichtbar auf der Rinde eines Baumes. Eine Fangleine führt zu einem anderen Baum, in unserem Fall quer über die Piste, auf der wir gerade fahren. Sobald es dunkel wird, baut die Spinne ein riesiges Netz. Ich schätze mal, es misst ca. gut einen Meter im Durchmesser und befindet sich ungefähr auf Kopfhöhe - meiner Kopfhöhe wohlgemerkt...... In diesem Netz fängt die Spinne die ganze Nacht über Insekten. Wenn es hell wird (bzw. jetzt, wenn Iesco es anleuchtet) rafft sie es in Windeseile zusammen (Gott sei Dank! Ich dachte schon, wir müssten da durch) und verschwindet wieder auf ihrem Baum.

Leider werden durch das Scheinwerferlicht auch hier wieder unzählige Insekten angelockt. Sie fliegen gegen den offenen Geländewagen, gegen uns, fallen auf den Boden und krabbeln überall herum. Auch in meine Hosenbeine. Langsam spüre ich, wie sie an der Innenseite meiner Hose nach oben kriechen und alles Schütteln nützt nichts. Einfach gruselig ist das!