Die Schatzkiste

Kleines und Feines, Schönes und Schräges, Witziges und Nachdenkliches. Kunst und Schmuck für die schönen Seiten des Lebens, die Geschichten dazu und ein paar private Gedanken.

Samstag, 25. September 2010

Frösche küssen

Ich bin da kürzlich über ein  Buch gestolpert (im übertragenen Sinne, natürlich)  mit dem schönen Titel:

"Wann kommt denn eigentlich der blöde Prinz auf seinem bescheuerten Gaul" oder so ähnlich.

Und das bringt mich doch glatt wieder zu meinem momentanen Lieblingsthema - der Partnersuche via Internet. Ich hatte ja schon einmal darüber berichtet. Nun, inzwischen sind ein paar Wochen in`s Land gegangen und ich bin um einige Erfahrungen reicher. Frustrierende und schöne, Erfahrungen die kein Mensch wirklich braucht, einige seltsame, aber auch ganz witzige.

Da war zum Beispiel die Sache mit diesem Picknick an der Mosel. Werd ich wohl nie vergessen. Mal ganz abgesehen davon, dass eine 1.58m kleine Zwergin und ein 2.02m Riese rein optisch schon etwas seltsam zusammen aussehen, meine ich jetzt. Aber OK, dachte ich, wir wollen ja auch nicht das Traumpaar im Standardformationstanz werden. Als er mich also fragte, ob nicht nicht Lust hätte, zu ihm an die Mosel zu einem Picknick zu kommen, war ich gleich Feuer und Flamme. Mehr anstandshalber fragte ich noch, ob ich denn etwas mitbringen könne, denn ich wähnte mich ja eingeladen. "Ja", sagte er "bring doch einfach mit, worauf Du Lust hast". Und da ich sowieso einkaufen musste, hab ich halt ein paar leckere Dinge wie Lachs und Posecco gekauft, in eine Kühltasche gepackt und durch sage und schreibe 4 (!!!) deutsche Bundesländer an die Mosel transportiert. Er brachte dann auch etwas mit, nämlich  Essensreste vom Vortag. Genauer Königsberger Klopse und Kartoffelpüree..... Hatte ich schon erwähnt, wie sehr ich Kapern hasse? Und dann hat er auch noch gemeckert, weil ich kein Eis zum Nachtisch dabei hatte.....

Also, das war schon ein Highlight. Aber nicht ganz so high, wie folgende Geschichte:

netter Kontakt, witzige Mails gingen über ein paar Wochen hin und her. Schließlich war klar: wir wollten uns kennenlernen und verabredeten uns in einem Cafe in Darmstadt. Das Wetter war gut, man konnte draußen sitzen, der Laden war brechend voll.  Wir unterhielten uns auch gut, alles total normal sozusagen. Bis zu dem Moment, als er eine Tüte unter dem Tisch hervorzauberte und meinte, er hätte ein Geschenk für mich. Zum Vorschein kamen - eine Augenbinde und Fußfesseln. Im ersten Moment war ich einfach nur sprachlos. Wirklich. Diese Wortlücke nutzte er, um mir mitzuteilen, dass er bereits ein Hotelzimmer zwecks weiterer Freizeitgestaltung gebucht hätte........Das war jetzt übrigens die jugendfreie Version seiner Ansage. In der Zwischenzeit hatte ich aber das Stadium der Sprachlosigkeit überwunden und hab ihm eine filmreife Szene hingelegt. Und die Moral von der Geschichte: das erste Treffen IMMER auf neutralem Boden!

Es gab auch einige weniger spektakuläre Begegnungen und ein oder zwei richtig nette. Mein Prinz war noch nicht dabei, aber soll ich Euch mal was sagen: das Frösche küssen macht auch so ziemlich viel Spaß. Ich seh das inzwischen locker. Ist doch eigentlich schön, Single zu sein.  Wenn ich mich so in meinem Bekanntenkreis umsehe, denke ich immer wieder: Herzlichen Glückwunsch Ingrid. Du hast es echt gut. Keiner da, der die Zahnpasta an der falschen Stelle plattdrückt, den Klodeckel nicht zu macht und am Essen herum mäkelt. Ich muss keine Hemden bügeln und jeden Samstag die Sportschau gucken. Und langweilig ist mir auch nicht, ganz im Gegenteil. Sollte es mir wider Erwarten aber doch irgendwann langweilig werden, lese ich einfach das oben erwähnte Buch. Falls das dann auch nicht hilft, kann ich ja immer noch in ein Kloster eintreten. Bevorzugt in ein Männerkloster.......