Die Schatzkiste

Kleines und Feines, Schönes und Schräges, Witziges und Nachdenkliches. Kunst und Schmuck für die schönen Seiten des Lebens, die Geschichten dazu und ein paar private Gedanken.

Donnerstag, 11. August 2011

Mütter

also Mütter sind ja eine ganz besondere Spezies, das wissen wir, glaube ich alle. Sie sind für uns da, hegen und umsorgen uns, trösten uns, falls erforderlich und stehen jederzeit mit Rat und Tat zur Seite, egal ob man/frau nun will oder nicht. Manchmal tun sie das ein Leben lang -  unabhängig davon, wie alt das "Kind" ist.

In meinem Fall ist das "Kind" 54 und wird dennoch mit einer Menge guter Ratschläger versorgt. Natürlich weiß ich, dass allesamt gut gemeint sind und teilweise aus dem Gefühl heraus entstehen, noch gebraucht zu werden und zu zeigen, dass Mutti noch am Leben teilnimmt. Dabei kommt es dann aber schon hin und wieder zu kuriosen Situationen.

Etwa wenn die bester aller Mütter -nämlich meine- der Ansicht ist, ich sei mal wieder nicht vernünftig angezogen. Nämlich zu leicht für die Jahreszeit (OK, wir hatten schon wärmere Sommer....) und mir aus ihrem schier unerschöpflichen Vorrat eine wärmende Unterhose andient. Normalerweise bevorzuge ich durchaus moderne Ausdrucksarten für dieses Kleidungsstück - in diesem speziellen Fall trifft jedoch wirklich nur eine einzige Bezeichnung zu, und die ist nun mal Unterhose. Das gute Stück ist verwaschen grau, aus schlabberigem Feinripp und die Beinteile reichen selbst größeren Menschen als mir bis zu den Knien. Seine besten Zeiten hat es vermutlich nach dem Weltkrieg erlebt, ich weiß nur nicht, nach welchem....... Ich habe es dankend angenommen und umgehend in der Restmülltonne entsorgt. Der Altkleidersack schien mir zu gewagt.....

Dann gab es die Situation, dass ich ausgehen wollte. Ich sah noch schnell bei meiner Mutter vorbei. Die musterte mich von oben bis unten und ich muss wohl nicht extra erwähnen, dass der Blick überaus kritisch war. Immehin trug ich einen Rock, der ca. 2 cm über meinen Knien endete....... Kommentar: "Du willst doch wohl nicht so weggehen? Zieh Dich doch nicht immer so aufreizend an, Kind...." Hatte ich schon erwähnt, dass ich 54 bin? Hatte ich. Mutti ist übrigens 86. Da sieht man die Dinge vielleicht schon ein bisschen anders.

Das Highlight hatten wir dann aber letzten Montag. Ich kam abends nichtsahnend nach Hause. Ich schau dann immer bei Muttern rein, ob alles OK ist und hole meinen Hund ab. Und wieder einmal hat mich dieser kritische Blick empfangen. Unwillkürlich schaute ich a mir herunter - Jeans, Turnschuhe, Jacke..... nichts besonders "Aufreizendes" also. "Ich habe heute meiner Putzfrau Deine Wohnung gezeigt" sagt sie. Da stellen sich mir schon ein bisschen die Nackenhaare. Das geht ja mal gar nicht! "Da sah es ja aus. Überall lag Deine Reizwäsche herum!" Ich muss vielleicht erklären, dass für meine Mutter alles Reizwäsche ist, was weniger Stoff aufweist wie die weiter oben erwähnte Unterhose. Und ich gebe zu - ich hatte nicht aufgeräumt. Aber ich habe auch nicht mit unangekündigten Besichtigungstouren durch mein kleines Reich gerechnet. Entsprechend war ich auch etwas sauer. Womit ich jedoch auf Unverständnis gestoßen bin. Schließlich liegt es ja an mir, wenn man niemand in meine Wohnung lassen kann.......... Aber so sind Mütter eben!

Dienstag, 1. Februar 2011

Glück im Unglück.........oder: es gibt auch noch ehrliche Menschen

ich muss die New York Sache jetzt mal kurz unterbrechen und Euch etwas von meinem heutigen Tag erzählen. Schließlich ist das ja auch eigentlich der Sinn eines Blogs. Ein Internet-Tagebuch zu sein, meine ich.

Folgende Szene: ich komme aus der Fitnessbude meines Vertrauens und steige in`s Auto. Beim Losfahren bemerke ich, dass dort, wo sich normalerweise der linke Außenspiegel befindet, nichts ist. Sozusagen eine Leere, ein gähnendes Loch.  Ich  steige wieder aus und fahnde auf der Straße nach etwaigen Spiegelscherben und dem halben Gehäuse, das ist nämlich auch weg. Aber da ist nix. Bei dieser Aktion werde ich NICHT von einem vorbeirauschenden Laster, der die Strecke Reinheim-Fischbachtal offensichtlich für eine LKW-Teststrecke hält und mit affenartiger Geschwindigkeit durch den Ort brettert, überfahren. Der 1. Glücksfall sozusagen.  Sicherheitshalber und weil es ohnehin nichts zu finden gibt, steige ich wieder in meinen kleinen Panda und fahre los. Auf der halben Strecke nach Reinheim und bei ungefähr 110 Kmh stelle ich dann fest, dass da vorne an meiner Windschutzscheibe etwas flattert. Sieht aus wie so ein Zettel, auf dem die Wirte die Zeche ausrechnen. Und richtig, ganz oben erspähe ich auch das Logo einer mit persönlich bekannten Brauerei aus der näheren Umgebung (persönlich bekannt, weil die  einmal im Jahr eine geile Party veranstalten und nicht weil ich so viel Bier trinke). Ein Wunder, das der Zettel nicht davon geflattert ist.........Glücksfall Nr 2. also. Zum Verdruss der anderen Verkehrsteilnehmer erst mal langsam fahren, damit das wertvolle Teil nicht doch noch verloren geht und an der nächsten Bushaltestelle raus. Und tatsächlich, eine Telefonnummer, ein Name und der Vermerk: bitte wegen Spiegel anrufen. Das nenne ich Glück im Unglück! Zuhause angekommen eile ich auch sogleich zum Telefon. Die Dame am anderen Ende ist ganz aufgeregt und entschuldigt sich 100 Mal wegen der Sache, während ich mich vermutlich genausu oft bedanke, dass sie mir den Zettel unter den Wischer geklemmt hat. Hätte sie ja nicht machen müssen, wenn sie einfach weggefahren wäre, hätte ich eben Pech gehabt. Und die ganze Zeit denke ich: diese Stimme kenne ich doch irgendwoher......Jedenfalls vereinbaren wir, dass ich morgen gleich in die Werkstatt fahre und ihr die Rechnung  zukommen lasse. Und dann sagt sie: wenn Sie mich unter dieser Telefonnummer nicht erreichen, ich arbeite in Reinheim in der ******Apotheke. AHA! Und jetzt weiß ich auch, woher ich die Stimme kenne. Diese Apotheke ist nämlich keine 100 Meter von meiner Wohnung entfernt.  So ein Zufall, da muss ich nämlich morgen sowieso hin und Mutters Medikamente holen. Da kann ich die Rechnung dann gleich da abgeben....... Und übrigens freue ich mich total, dass es noch so ehrliche Menschen gibt!